Trainer zwonull

Heute hatte ich bei Elixia einen Trainertermin. “Schau mal, was wir hier tolles neues haben”, sagte mein Trainer und lenkte damit meine Aufmerksamkeit auf das Laptop auf dem Tisch. Hier zog sich bereits meine Kehle zusammen, denn schließlich wurden mir vor drei Wochen die aufgetretenen Probleme bei den Terminen mit “Chaos durch Softwareumstellung” erklärt.

Doch zunächst wurde ich durch die Betriebssystemwahl positiv überrascht. Der sich öffnende Webbrowser trug die Aufschrift “Iceweasel” in der Titelzeile, was auf Debian Linux schließen lässt. Darin präsentierte sich eine Webapplikation, die mich allerdings erstmal über intime Details meines Lebenswandels befragte: Gehen Sie zu Fuß zur Arbeit? Nehmen Sie den Fahrstuhl? Welche Krankheiten? Unterhosengröße? Okay, nach der Unterhosengröße hat sie nicht gefragt, aber ich hab die Frage jeden Moment erwartet.

Bereits hier versuchte das Userinterface einen recht zwonulligen Eindruck zu hinterlassen. Alles war bereits bereits sehr auf das Aussehen einer lokalen Anwendung getuned, sogar die mal oben, mal unten aktiven “weiter”-Buttons. Regelrecht beeindruckt war ich vom Modul zur eigentlichen Erstellung des Trainingsplans. Hier kann sich der Trainer durch (mehr oder weniger) sinnvolle Gruppen von Übungen klicken und die gewünschte per Drag&Drop in den Plan ziehen. Schöne bunte Web 2.0-Welt.

Aber hier enden auch schon die positiven Eindrücke: Das Suchen der Übungen dauert deutlich länger, als sie von Hand aufzuschreiben. Details wie Wiederholungszahlen und Pausen müssen bei jeder Übung einzeln eingegeben werden. Beim Abspeichern und Drucken des Planes verschluckte sich das System so sehr, dass nur der zweimalige (!) Restart des Rechners half, um die Applikation neu starten zu können. Und die Übungsdetails waren natürlich verschwunden.

Somit hab ich insgesamt eine ganze Stunde vorm Computer verbracht, was etwa dem entspricht, was ich sonst den ganzen Tag auch tue. Und genau das will ich ja eigentlich im Fitnessstudio nicht. Immerhin hatte ich am Ende zwei schick gedruckt Trainningsplankarten, die mir zusammen mit einem teuer aussehendem Hefter überreicht wurden. Zum Glück kenne ich die Übungen schon, ansonsten hätte ich wohl noch eine weitere halbe Stunde investieren müssen.

Fazit: Trainertermine dauern jetzt mit modernster Technik doppelt so lange wie früher mit dem Kugelschreiber. Immerhin ist der Trainer zweimal quer durch das ganze Studio zum Drucker gelaufen, was seiner Gesundheit bestimmt gut tut. Ich konnte mich nur noch zum Gang in die Sauna aufraffen.

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